Die DRI-Technik

Die Abkürzung "DRI" steht für "Dynamical Range Increase" was soviel bedeutet wie Erweiterung des Dynamikumfangs eines Fotos..

Jedes Medium zum Aufzeichnen eines Fotos hat einen gewissen Dynamikumfang. Das heißt einen gewissen Umfang von Helligkeitswerten von schwarz nach weiß bzw. von dunkel nach hell. Analoges Filmaterial hat dabei einen etwas höheren Umfang als z.B. ein analoger Diafilm. Ein digitaler Sensor wiederum hat in etwa so viel Dynamikumfang wie ein Diafilm...eher sogar noch etwas weniger.

Das Problem daran ist nun, dass Bilder mit sehr großem Helligkeitsunterschied vom Sensor nicht aufgezeichnet werden können. Teile des Bildes werden zu hell oder zu dunkel.

Übrigens, auch unser Auge hat dieses Problem! Es "betrügt" uns jedoch, indem es sich auf den anvisierten Bildbereich adaptiert ... Diese Anpassung beim Betrachten von hellen und dunklen Bereichen des Gesichtsfelds passiert dabei so schnell, dass wir den Eindruck haben das Auge würde alle Helligkeitswerte gleich gut verarbeiten. Um so überraschter ist man hinterher, wenn man das Foto der Szene betrachtet und sich über die Bereiche mit Unter- bzw. Überbelichtung ärgert.

Ein gutes Beispiel sind immer Landschaftsbilder, mit Himmel und Erde drauf. Entweder der Himmel ist korrekt belichtet, und die Landschaft ist zu dunkel. Oder umgekehrt, die Landschaft ist korrekt belichtet, aber der Himmel dafür viel zu hell. Ein anderes Beispiel, das jeder kennt: Man fotografiert in einem Raum mit einem hellen Fenster im Hintergrund. Die Person, die man eigentlich fotografieren wollte ist fast schwarz, dafür hat man ein toll belichtetes Fenster ;-)

In diesem Tutorial werde ich eine digitale Lösung dieses Problems vorstellen, die sich besonders gut für Landschaftsaufnahmen eignet.

Um diese Technik mit guten Ergebnissen zu nutzen ist es unbedingt notwendig im RAW-Format zu fotografieren, da man hier je nach Kamera 12 oder 16 Bit Information pro Farbkanal zur Verfügung hat. Ein JPG-Bild hat dagegen nur 8 Bit pro Farbkanal!

Extrem krasse Helligkeitsunterschiede lassen sich aber auch mit dieser Methode nicht mehr retten, sondern hier hilft nur noch ein Grauverlaufsfilter den man vor das Objektiv schraubt, der dann z.B. den Himmel etwas abdunkelt und so eine ausgeglichene Belichtung zwischen Landschaft und Himmel ermöglicht. Mit dieser Methode lassen sich etwa 2 Belichtungsstufen "retten".

...nun zur Technik...

Das Grundprinzip dieser Technik ist, dass man sich aus dem RAW-Bild zwei JPG-Versionen entwickelt. Eines, wo die Landschaft richtig belichtet ist, und ein zweites wo der Himmel korrekt belichtet ist. Ich setze hier mal voraus dass der geneigte Leser weiß, wie er aus dem RAW-Bild die beiden Versionen erzeugt (Kleiner Tipp: z.B. Kurvenfunktion in CaptureOne)

original.jpg (94903 Byte) 1. Version des Fotos

Hier ist die Landschaft korrekt belichtet, aber der Himmel ist viel zu hell geworden. Die schöne rote Zeichnung ist fast ganz verloren gegangen.

(Im Prinzip ist das die Version, die die Kamera im Automatik-Modus so "out-of-the-box" belichtet hätte)

original_dunkel.jpg (79474 Byte) 2. Version des Fotos

Hier wurde der Himmel korrekt belichtet, aber die Landschaft ist nun nur noch schwarz.

(In CaptureOne die Belichtungskurve in der Mitte anfassen und nach rechts unten ziehen, bis die gewünschte Zeichnung im Himmel sichtbar wird.)

Per Ebenen-Technik wird nun die dunkle Version in eine neue Ebene über die helle Version gelegt. Dann legt man eine Maskenebene zwischen beide Bilder. Nun muss man nur noch mit dem Radiergummi in der Maskenebene die schwarze Landschaft freiradieren, so dass die darunter liegende richtig belichtet Landschaft sichtbar wird. Man erhält nun ein Bild, dass aus beiden Versionen die besten Teile vereint und in etwa dem entspricht, was das Auge zum Zeitpunkt der Aufnahme durch Adaption an die verschiedenen Helligkeiten wahrgenommen hat. Man hat quasi digital das nachgebaut, was Auge&Gehirn automatisch machen.

original_dri.jpg (95739 Byte)

In diesem Beispiel-Fall kann man Ergebnis noch ein wenig verschönern, indem man die unten liegende Landschaft etwas in der Sättigung anhebt und so dem schönen "Abendrot" des Himmels etwas anpasst.

original_dri_saettigung.jpg (103201 Byte)

Viel Spaß beim Nachmachen.

(c) Oliver Geith 2004